Alpha Protocol

Oh! Mein! Gott! Was für ein Spiel…
Nach meinem Deus-Ex-Desaster, dachte ich mir, ich könnte ja mal das ähnlich gelagerte (Shooter mit RPG) Alpha Protocol angehen.
Wertungstechnisch rangiert ja Alpha Protocol eher im unterdurchschnittlichen Mittelfeld.
Und das leider total zurecht.
Die PC-Fassung kann man mit Tastatur/Maus überhaupt nicht spielen, da die Maus (jedenfalls in meinem Leben) nicht zu angemessenen Reaktionen zu bewegen war. 10 Meter auf dem Schreibtisch ergaben 10 Millimeter aufm Bildschirm. So macht ein Shooter Spaß…
Aber, was soll’s, hat man schon nen Grund, endlich mal so ein XBox-360-Controllerding zu kaufen, denn nur damit war das Spiel spielbar, aber dafür auch nur damit. Tastatur/Maus war bei aktiviertem Pad total deaktiviert.
Die Hacker-Minispiele waren nett, aber total anspruchslos. Erst im Endspiel gings da etwas zur Sache. Hatte vielleicht mit meinem leichten Schwierigkeitsgrad zu tun, aber da der Rest für mich alten Sack angemessen anspruchsvoll war, waren das Hacken eben viel zu leicht.
Dafür war beim Rest das Schleichen absolut unmöglich durchführbar. OK, man konnte schleichen, wurde aber praktisch immer entdeckt. Doof.
Die Grafik war quasi für 2011 (aber auch für das Erscheinungsjahr 2010) eine unverschämte Frechheit. Irgendwie alles sehr spartanisch und billig. Für ein Indie-Spiel sehr ok, aber für so einen geplanten AAA-Titel echt ne Unverschämtheit.
Spielerisch war alles sehr linear und missionsbasierend. Keine offene Welt. Keine Nebenquests, die man sich suchen kann. Man konnte zwar im Shopsystem irgendwelche Dokumente kaufen, die dann Bonusziele in den Missionen aktiviert haben, aber das war auch kaum der Rede wert. Es gab in jeder Stadt 3 Missionen und 1 Finalmission. Fertig. Zwischendurch konnte man sich im Wohnungsstützpunkt neu ausrüsten.
Das Skillsystem war recht übersichtlich. Tarnung, diverse Waffen, Hacken… 10 Skills mit je knapp 15 Punkten. Nur 3 Skills konnten auf Maximum gebracht werden, man musste sich zwischendrin mal entscheiden. Na ja.
Waffen konnte man pimpen, aber nach knapp nem Drittel hatte ich die besten Sachen, und das war’s. Ganz kurz vor Schluss gabs dann noch zwei bis drei Goodies, die dann aber auch nicht mehr nötig waren.
Rollenspiel geht irgendwie anders.
Nämlich auch mit Dialogen.
Das Spiel gibts leider nur in einer englischen Sprachversion. Es werden einem zwar deutsche Untertitel angezeigt, aber leider nur quasi wortweise. Diese Untertitel verschwinden dann immer wieder ganz schnell, was das Lesen sehr erschwert und den Sinn kaum erfassbar macht. Wenn man am Ende eines Satzes angekommen ist, weiß man eigentlich kaum, um was es ging. Immer und überall sind die Untertitel in komplette Sätze unterteilt, hier nicht. Na ja.
Die hochgelobten Dialogoptionen, die man wählen kann, und unter Zeitdruck auch muss, waren ja schön und gut, aber die Antwortmöglichkeiten bezogen sich immer auf das, was das Gegenüber gerade sagt. Und der Zeitdruck lief genau immer dann ab, wenn das Gegenüber aufgehört hat zu reden. Selbst wenn man die unverständlichen Untertitel ignoriert, weiß man aber trotzdem immer noch nicht, was der Gesprächspartner gesagt haben wird, wenn der Zeitdruckbalken abgelaufen sein wird. Glaskugel anyone?
Insgesamt wirkte das Spiel leider spielmechanisch ziemlich casual. Überall blinkten dümmliche Symbole, die mir rumliegende Munition oder Leitern oder Tresore oder Dokumente oder Sprungpunke anzeigten. Ja, Sprungpunkte. Denn natürlich konnte man auf keinen Fall springen, außer das Spiel erlaubte es. Türen konnte man auf- aber nicht zumachen. Dafür gingen sie manchmal automatisch zu und immer von einem weg auf.
Es gab also jede Menge zu meckern.
Aber, hossa, was hatte ich einen unendlichen Spaß beim Spielen!
Selten hat es mir eine solche Freude bereitet, ein auf dem Papier doch so schlechtes Spiel zu spielen.
Die Summe dieser ganzen Nickligkeiten hat ein grandioses Spielvergnügen ergeben. Klasse!
Obwohl ich mit nem verhassten Gamepad spielen musste, war damit das Spiel doch überraschend gut zu steuern. Shooter mit Gamepad geht ja eigentlich gar nicht, ging hier aber gut.
Die Dialoge waren trotz dieser relativen Unvorhersehbarkeit überraschend gezielt bestreitbar. Und die wenigen Male, bei denen ich mit dem direkten Ergebnis nicht so zufrieden war, haben dann einen weiteren Gesprächsverlauf nach sich gezogen, der spannend und interessant war,  weshalb mein ursprünglich vielleicht vorhandener Plan einfach vergessen wurde. Klasse!
Durch die Dialoge konnte man sein Verhältnis zu den Leuten verbessern oder verschlechtern, und je nachdem kam es zu weitern Konsequenzen, die einem gefallen haben oder nicht, die aber immer toll und spannend und stimmungsvoll waren.
Vermutlich hat das Spiel dadurch einen sehr hohen Wiederspielwert, aber von sowas halte ich nix. Einmal durch, fertig. Das ist meine Geschichte. Wozu nochmal spielen?
Und deshalb hab ich auch kaum irgendwelche Spielstände geladen. Nur, wenn mich mein Gamepad mal wieder zu Fehlklicken verleitet hat (das digitale Kreuzgedingse ist echt ein Graus), oder ich gestorben bin, oder mir das Spiel ein Missionsziel einfach mal nicht auf der Karte anzeigen wollte (Mina im Endspiel).
Haben meine Gesprächsentscheidungen allerdings Leute eher verärgert, obwohl ich das vielleicht gar nicht wollte, dann war das halt so. Das war mein Spiel, so sollte es eben sein. Mich hat das auch gar nicht weiter interessiert, was hätte sein können, wenn ich nen anderen Gesprächsverlauf gewählt hätte. Das hätte mich nur aus meiner Geschichte rausgerissen.
Und diese Geschichte konnte prima erzählt werden, gerade wegen dieser eingeschränkten Welt und dieses linearen Missionsdesigns. In offenen Welten zerbröselt sehr schnell alles an Geschichte, die theoretisch vorhanden wäre, weil man eben zwischen all diesen Hölzken und Stöcksken ganz schnell auf mal rote Fäden verbaselt. Das ist zwar für die Spielerselbstbestimmung toll, aber für die Geschichtenerzählung gar nicht so. Wie auch immer.

Auf dem Papier nüchtern betrachtet also ein total unterdurchschnittliches Spiel, das vielleicht sogar unheimlich viel Potential verschenkt hat, das aber im allseits beschworenen Spielerlebnis von mir 100 von 100 Punkten kriegt.
Ich hab mich beim Spielen zwar regelmäßig über alles mögliche aufgeregt, vor allem über das doppelt zu spielende Endspiel, weil diese Mina-Rettungsmission beim ersten Mal nicht zu finden war, aber insgesamt hatte ich unendlichen Spaß beim Spielen. Ich habe es mir größtem Vergnügen durchgespielt und es war keine Minute langweilig und hätte gerne noch länger dauern können. Hach, was für ein Spiel!

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